Dietmar Mieth
Dorfring 22
04509 Zschepen




Zschepen, den 09.01.2004

Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung
Redaktion Delitzsch
Rossplatz 5
04509 Delitzsch


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um die Veröffentlichung meiner nachfolgenden Bemerkungen zum Leserbrief von Herrn Josef R. Weber aus Schenkenberg, welcher in der LVZ-Kreiszeitung am 6.1.2004 abgedruckt war.


Ein Freund, ein guter Freund

Als ein „alter“ Bekannter des Aufsichtsratsvorsitzenden der Entsorgungs-, Entwicklungs- und Baugesellschaft Delitzsch mbH (ENEBA), dem Mutterkonzern der Kreiswerke Delitzsch GmbH, schreibt man natürlich nur Gutes über Herrn Czupalla. Und weil man das so macht, setzte sich Herr Josef R. Weber an seinen Schreibtisch und schrieb das Blaue vom Himmel herunter. Eine Lobeshymne sollte es werden.

Der politisch orientierungslos gewordene Kreiszeitungsleser sollte endlich erfahren, wie unrechtmäßig unser unbescholtener und die Bürgerinteressen vertretender Landrat von Oppositionellen diffamiert wird. Intrigen und Verschwörungen einer Minderheit seien die wahren Gründe für diese infame Schmutzkampagne. Natürlich konnte das der Herr Josef Weber nicht so direkt schreiben. Verkleidet musste es werden. Was liegt da näher, als die Profilierungsbedürftigkeit und das Machtstreben von Politikern, die nicht der CDU-Mehrheit, sondern irgendwelchen anderen politischen Strömungen angehören, als Grund anzuführen.

Im Klartext heißt das: Die PDS forderte zur letzten Kreistagssitzung nur die Bildung eines Akteneinsichtsausschusses bezüglich der Müllaffäre, weil sie sich laut Herrn Weber „auf Kosten anderer profilieren“ wollte.

Sehr geehrter Herr Weber, natürlich genießt derzeit der Landrat große „Aufmerksamkeit“, der nun bald an die Wahlurnen eilenden Bürger. Es wird Ihnen aber nicht entgangen sein, dass der Grund für die Forderung nach Bildung dieses besagten Akteneinsichtsausschusses nicht die bevorstehenden Wahlen, sondern die nun auch erweckte „Aufmerksamkeit“ der Staatsanwaltschaft in Form eines Ermittlungsverfahrens gegen den Herrn Czupalla und Herrn Dr. Buder ist. Sie waren doch selbst zur Kreistagssitzung anwesend.

Sie waren es im Übrigen auch, der bei einer im Jahre 2002 in der Pfarrscheune Schenkenberg durchgeführten Informationsveranstaltung unserer Bürgerinitiative, die Müllverbrennungsanlage als beste und einzige Lösung, der allem Anschein nach durch die Kreiswerke hervorgerufenen Müllprobleme, bezeichnet hat.

Übrigens ist beim Thema Müllverbrennung noch lange nicht „die Luft raus“, wie Sie schrieben. Die von unserer Bürgerinitiative betriebene Nachlese ist ebenso interessant, wie die bisher veranstalteten Kampagnen des Kreisoberhauptes und seiner Müllverbrennungs-Freunde. Gehören Sie nicht ebenso zu dieser Garde, die aufgefahren wird, zum letzten Gefecht?

Ich möchte dem Leser hierzu kleine gedankliche Anregungen geben.

Die Rolle des Herrn Wieland Schreinicke (LVZ-Leserbrief vom 11.12.2003) in der Delitzscher Entsorgungslandschaft scheint durch meinen Leserbrief vom 17.12.2003 ein wenig aufgeklärter. Beschäftigen wir uns nun mit Herrn Josef Weber, der nach der Wende aus den alten Bundesländern kommend, zu uns eilte, um sich am Aufbau einer blühenden Wirtschaft in den Ostgebieten zu beteiligen.

Dieser Speditionskaufmann gründete zunächst mit seinem Geschäftsfreund, dem Bankkaufmann Peter Moeller aus Düren, die Delitzscher Logistik und Transport GmbH (DeLoTRANS). Im späteren Verlauf schied Herr Moeller als Geschäftsführer aus. Im Jahre 1996 wurde Konkurs dieser Firma angemeldet. Allerdings hatten die anfänglichen zwei Geschäftsführer zu diesem Zeitpunkt noch eine Firma, die Rackwitzer Containerdienst- und Entsorgungs-GmbH (RCD) mit Firmensitz in Rackwitz, Bahnhofstrasse 1.

Die Gründung dieses Unternehmens wurde am 9.7.1992 durch einen Notar in Hamm besiegelt. Herr Moeller hielt 80% und Herr Josef Weber 20% am Stammkapital der Gesellschaft. Der Unternehmensgegenstand war „die Gestellung, Vermietung sowie der Transport von Containern für Müll, Abbruchschutt und sonstigen Abfällen der gewerblichen Wirtschaft, öffentlicher Auftraggeber und von Privatpersonen sowie die Entsorgung von Müll, Abbruchschutt und sonstigen Abfällen“ etc.

Im Jahre 1995 wurde der Name auf RCD+Entsorgungs-GmbH geändert und der Firmensitz nach Delitzsch, Benndorfer Landstrasse 2, verlegt. Der Unternehmensgegenstand wurde auf die Verarbeitung und den Handel mit den oben genannten Stoffen und die Materialpalette auf die so genannten Reststoffe ausgeweitet.

Zwischenzeitlich erfolgte der besagte Konkursfall der DeLoTRANS GmbH, in der Herr Josef Weber nur noch alleiniger Geschäftsführer war. Er schied im gleichen Jahr auch aus der RCD+Entsorgungs-GmbH aus. Im Jahre 1997 - der verbliebene alleinige Geschäftsführer Herr Moeller hatte ein Jahr zuvor gerade das Stammkapital um 50% auf 150.000 DM aufgestockt wurde der Firmensitz erneut nach Rackwitz, Bahnhofstrasse 1, verlegt. Wenig später überstürzte sich alles:
Am 8. Dezember 1997 verkaufte Herr Peter Moeller seine Firma für 30.000 DM an die Entsorgungs-, Entwicklungs- und Baugesellschaft Delitzsch mbH (ENEBA).

Herr Czupalla ist Aufsichtsratsvorsitzender,
Herr Dr. Buder ist Geschäftsführer und
Herr Dr. Klaus-Jürgen Haupt ist der Berater und 40- prozentige Anteilseigner dieser Mutterfirma der Kreiswerke und anderer Firmen in der Benndorfer Landstrasse 1.

60 Prozent der ENEBA werden vom Landkreis Delitzsch gehalten. Aus RCD+Entsorgungs-GmbH wurde nach der Übernahme die Energie-Centrum+Dienstleistungs-GmbH (ECD GmbH) und der Firmensitz wurde wieder nach Delitzsch, allerdings nun Benndorfer Landstrasse 1, verlegt. Herr Wieland Schreinicke, der ehemalige Landrat von Eilenburg, wurde zum Geschäftsführer und als weiterer Geschäftsführer wurde 1998 Herr Karlheinz Beil aus Eilenburg eingesetzt.

Die von RCD+Entsorgungs-GmbH übernommenen 4 LKW mit Anhänger, sämtliche nur für Containertransporte geeignet, wurden bisher ab der Übernahme durch die ENEBA allem Anschein nach nur für den Shuttledienst von der so genannten Sortieranlage der Kreiswerke Delitzsch im Radefelder Gewerbegebiet bis zur Deponie nach Spröda und zurück eingesetzt.

So schließt sich der Kreis, werter Herr Josef Weber. In schwierigen Zeiten müssen Freunde zusammen halten und wenn es ganz hart kommt, sogar Leserbriefe schreiben oder vielleicht auch im Landratsamt schreiben lassen.

Dietmar Mieth
Zschepen, den 09.01.2003