Neuer Standort für Thermolyse-Anlage auf dem Eilenburger Schanzberg im Gespräch

Bonbonfabrikant Hirsch hofft weiter auf eine vernünftige Lösung

Eilenburg. Die Kunststoff- und Umwelttechnik GmbH baut mit einem Investor (Thermolysen Anlagen GmbH) eine Thermolyseanlage auf dem Schanzberg. Daran hat sich nichts geändert. Die Baufahrzeuge rollen. Die Anlage wächst.
Ein Gewerbe- und Industriegebiet (Gl) ist der richtige Standort für eine solche Müll-Verschwelungs-Anlage. Nachbar und Bonbonfabrikant Olaf Hirsch erfuhr kurz vor Baubeginn von seinen neuen Nachbarn und kämpft seit dem gegen den Bau der Anlage. "Lebensmittelherstellung und Abfallbeseitigung, welcher Form auch immer, passen nicht zusammen. Es gibt dutzende Bonbonhersteller, wir sind der einzige mit einer Thermolyseanlage vor der Nase. Das ist ein Imageschaden, egal, wie umweltfreundlich sie sein mag", so Hirsch gegenüber LVZ. (LVZ berichtete).

Über Baustopp nicht entschieden

Der Lebensmittelhersteller sieht mit diesem Nachbarn die Existenz seines Unternehmens gefährdet. Olaf Hirsch hat bereits im Oktober einen Antrag auf Baustopp eingereicht. Bisher ohne Ergebnis. Eine Entscheidung steht noch aus. Olaf Hirsch: "Vor Weihnachten hieß es, Mitte Januar soll eine Lösung da sein. Jetzt ist Ende Januar und es ist noch nichts passiert. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird." Und die bahnt sich an. Obwohl vorerst munter weiter gebaut wird, soll die Anlage an einen anderen Standort versetzt werden. Möglichst weit weg von "Henri". Landrat Czupalla organisierte Gesprächsrunden mit Investor, Bonbonfabrikant und Regierungspräsidium. Dort sind sich die Beteiligten scheinbar näher gekommen, haben sich über Lösungsvorschläge verständigt.
Vize-Regierungspräsident Helmut Arens sagte: "Es gab mehrere Gespräche mit sämtlichen Beteiligten. Alle zeigen die nötige Gesprächsbereitschaft. Wir arbeiten nun daran, eine mögliche Lösung umzusetzen. Das heißt, einen anderen Standort zu finden. Es ist jedoch zu früh, über Ergebnisse zu spekulieren. Die Gespräche sind noch nicht beendet. Ich warte auf ein Signal der Anlagenbetreiber, dann lade ich wieder ein. Wir alsBehörde können hier nur moderieren und vermitteln."
Der neue Standort könnte mehrere hundert Meter weiter weg vom geplanten Platz auf dem Schanzberg liegen. An der Realisierung des Umzuges wird gearbeitet. Die Verantwortlichen der Thermolyse GmbH bekundeten ebenso ihren Willen, zu einer einvernehmlichen Lösung kommen zu wollen. Sie sind einem Standortwechsel nicht abgeneigt.
"Wir sind natürlich an einer dauerhaften Lösung interessiert, wollen den Nachbarschaftskonflikt vermeiden und haben mit Oberbürgermeister Wacker, Regierungspräsidium und Herrn Hirsch konstruktive Gespräche geführt. Wir können uns einen neuen Standort mit Dauergenehmigung vorstellen, wenn uns dadurch keine Kosten entstehen", sagte Investor Michael Stützel.
Es ist wahrscheinlich, dass die Thermolyse-Anlage noch im ersten halben Jahr 2002 neben Hirsch in Betrieb geht. Die Anlage könne jedoch per Kran an einen neuen Standort versetzt werden. Wer die Kosten (beispielsweise für Erschließung und neue Bodenplatte) trägt, ist noch unklar.

Frank Pfütze

Thermolyseanlage vor der Bonbonfabrik Henri

Unmittelbar vor der Bonbonfabrik (große Halle) wird die Thermolyse-Anlage (vorne) errichtet. Fundamente und Bodenplatte sind bereits gegossen. Jetzt ist ein Standortwechsel im Gespräch. Das Regierungspräsidium vermittelt zwischen den Beteiligten.
Foto: Fa. Hirsch


LVZ, 06.02.2002