Thärichen soll Concordia führen

Ex-Olympia-Manager als Nachfolger von Präsident Volker Schmidt im Gespräch

Von Torben Stephan

Dirk Thärichen Delitzsch. Der ehemaliger Manager der Leipziger Olympiabewerbung, Dirk Thärichen, soll Nachfolger von Volker Schmidt als Präsident von Concordia Delitzsch werden. Bereits am vergangenen Freitag traf sich Landrat Michael Czupalla (CDU), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes ist, mit dem geschassten Leipziger Ordnungsdezernenten Holger Tschense (SPD) im Delitzscher Ristorante Roma. Dort, so bestätigte Tschense dieser Zeitung, besprachen sie die Nachfolge von Schmidt im Concordia-Präsidium. Czupalla und Tschense nannten keine Namen, der Landrat wolle sich aber laut Tschense demnächst mit einem „gemeinsamen Bekannten“ treffen. Der ist nach Informationen der Kreiszeitung Thärichen.

Schmidt selbst überraschte die Nachricht von dem Treffen: „Ich möchte mich beruflich verändern, das hat aber nicht zwangsläufig etwas mit meinem Ehrenamt bei Concordia zu tun“, sagte Schmidt gestern dieser Zeitung. Allerdings suche der ehemalige Prokurist der Technischen Werke derzeit einen neuen Job. Sollte der außerhalb Delitzschs liegen, könne er sich nicht mehr um Concordia kümmern. Der Verein liege ihm aber am Herzen. Deshalb sei er an einer optimalen Lösung für die Delitzscher interessiert. Schmidt war erst im Dezember für zwei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt worden.

Unklar ist weiterhin die finanzielle Lage der Concorden, die Geschäftsführer Ronald Rosenkranzkompliziert“ nennt. Die Gehälter aus der vergangenen Saison seien aber bezahlt. Die Hauptsponsoren Sparkasse Leipzig und die Sparkassenversicherung Sachsen könnten noch einmal 50.000 Euro für die laufende Saison nachlegen. „Es gibt Gespräche, aber noch nichts Konkretes“, bestätigte Präsident Schmidt gestern. Insidern zufolge ist es fraglich, ob das Geldinstitut noch einmal in den finanziell angeschlagenen Verein investieren wird. Die Gefahr einer Insolvenz des Zweitligisten gibt es laut Geschäftsführer Ronald Rosenkranz aber „derzeit nicht“.

Für zusätzliche Verwirrung sorgt die mittelbare Beteiligung des Landkreises durch die Anlagenbau Umweltprojekt GmbH (UBV) an der Handball Marketing Delitzsch Co. KG (HMD), die für Concordia Sponsoren sucht, und der Concordia Spielbetrieb Verwaltungs GmbH (CSG), bei der die Spieler unter Vertrag sind. Diese Beteiligungen sind nach Aussage eines UBV-Aufsichtsratsmitglieds auf Druck des Regierungspräsidiums (RP) im November 2006 veräußert worden. Käufer waren laut Rosenkranz die Gesellschafter Lutz Mörtel, Frank Moritz und der Verein Concordia Delitzsch. Durch den Verkauf wollte der Landkreis drohenden finanziellen Problemen des Bundesligisten zuvorkommen, so das Aufsichtsratsmitglied.

Leipziger Volkszeitung, LOKALES, Delitzsch-Eilenburg, 15. Februar 2007, Seite 17


Dirk Thärichen

Wird zusehends an den Rand gedrängt:
Volker Schmidt, hier bei einer Pressekonferenz im August 2006,
wurde vor gut zwei Monaten als Concordia-Präsident bestätigt.
Nun soll er seinen Stuhl für den ehemaligen Leipziger Olympia-Manager
Dirk Thärichen räumen.

Foto: Günther Hunger

Treffen beim Italiener

Wie Landrat Michael Czupalla und Holger Tschense die Nachfolge von Volker Schmidt regeln wollen

Es war Freitagnachmittag, 15.58 Uhr, als Landrat Michael Czupalla (CDU) und sein Begleiter Holger Tschense (SPD) die Pizzeria Roma in der Delitzscher Fußgängerzone sichtlich zufrieden verließen. Drinnen hatten sie gerade bei zwei Espressi das getan, was Czupalla am liebsten tut. Sie haben die Fäden im Hintergrund gezogen. Ziel: Die Nachfolge von Concordia-Präsident Volker Schmidt regeln. Der sucht gerade einen neuen Job wahrscheinlich außerhalb Delitzschs und kann sich dann nach eigenen Aussagen nicht mehr um Concordia kümmern.

Sieht so ein privates Treffen aus? Hier verlassen Landrat Michael Czupalla und der Leipziger Ex-Beigeordnete Holger Tschense die Pizzeria Roma. Foto: Torben Stephan

Tschense soll in den nächsten Tagen ein Treffen von Czupalla und Dirk Thärichen einfädeln. Dort will der Landrat den ehemaligen Manager der Leipziger Olympiabewerbung davon überzeugen, an den Lober zu kommen. Der 36-Jährige hat gerade eine Klage auf Gehaltsnachzahlungen aus der damaligen Zeit verloren. Im Oktober 2003 war er von den Olympiabewerbern fristlos gekündigt worden. Der ehemalige Gefreite im Stasi-Wachregiment Felix Dzierzinski war für die Verantwortlichen untragbar geworden. Zudem wurden ihm Verwicklungen in wirtschaftlichen Filz und Veruntreuung unterstellt. Während der Fußball-Weltmeisterschaft organisierte Thärichen das Fanfest auf dem Leipziger Augustusplatz. Der erfahrene Sportmanager soll eine Art Brückenbauer in die Messestadt sein. Dort soll er Verbindungen knüpfen. Vor allem zu weiteren potenziellen Sponsoren.

Volker Schmidt traf die Nachricht von dem heimlichen Treffen der beiden Politiker unvorbereitet. „Von all dem ist mir nichts bekannt“, sagte der Concordia-Präsident. Er war erst im Dezember von der Mitgliederversammlung für zwei Jahre bestätigt worden. Zwar wolle er sich beruflich verändern also weg von den Technischen Werken, die ihm im Dezember 2005 die Prokura gekündigt hatten. Aber das habe nicht zwangsläufig etwas mit seinem Ehrenamt bei den Handballern zu tun.

Concordia-Geschäftsführer Ronald Rosenkranz, der ebenfalls nichts von dem Coup der Politiker wusste, kommentierte die Entwicklung gestern mit den Worten: „Mit Thärichen wären wir definitiv in aller Munde.“ Seine Professionalität habe der Leipziger bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Landrat Czupalla, der anfangs gegenüber der Kreiszeitung behauptet hatte, das Treffen mit Tschense sei rein privater Natur gewesen, sagte gestern: „Ich würde Thärichen für einen fähigen Mann halten.“ Zu weiteren Auskünften war er nicht bereit.

Revidieren musste der Landrat schon tags zuvor eine Aussage, der Landkreis sei noch nie an der Concordia Spielbetrieb Verwaltungsgesellschaft (CSG) beteiligt gewesen. Sowohl der Handelsregisterauszug des Amtsgerichts Leipzig, als auch der eigene Beteiligungsbericht 2005 aus Czupallas Landratsamt weisen diese Beteiligung nach. Zur Klärung des Sachverhalts schickte der CDU-Politiker seinen Kämmerer Kai Emanuel vor. Der sagte: „Laut Landrat sind die Anteile im November 2006 verkauft worden“. Und zwar an die anderen Gesellschafter Lutz Mörtl, Frank Moritz (Firma Megaron) und den Verein Concordia, wie Rosenkranz aufklärte.

Die monetäre Lage des Vereins nannte der Geschäftsführer weiter „kompliziert“. Er und Schmidt bestätigten gestern laufende Gespräche mit den beiden Hauptsponsoren Sparkasse Leipzig und Sparkassenversicherung Sachsen. Die könnten, so hofft der Geschäftsführer inständig, wie schon im letzten Jahr, noch einmal 50.000 Euro zuschießen.

Torben Stephan

Leipziger Volkszeitung, SPORT, Delitzsch-Eilenburg, 15. Februar 2007, Seite 20


Dominik Welters

STANDPUNKT


Von Torben Stephan

Ohne Steuermann

Die Nachfolge des wahrscheinlich vorzeitig ausscheidenden Concordia-Präsidenten Volker Schmidt frühzeitig zu regeln ist richtig. Das Tableau der beteiligten Personen überrascht allerdings. Ein Landrat, der nicht müde wird zu beteuern, keinen Einfluss auf den Handball-Verein zu haben. Ein Leipziger Ex-Sportbeigeordneter, der den Concorden bislang lediglich die Arena in der Messestadt vermittelt hat. Und ein nicht weniger schillernder Sport-Manager, der bislang ausschließlich mit Großprojekten wie Olympiabewerbung und Fußball-WM betraut war. Ohne einen eindeutigen Steuermann scheint die Concordia mal wieder in ganz schön turbulente Gewässer abzudriften. Und erneut sollen die Sponsoren zusätzlich in die Tasche greifen. Mit der Personalie Thärichen orientiert sich der eifrige Landrat wie schon zur Bundesliga-Saison in Richtung Leipzig. Dabei wäre es angebracht, erst einmal vor der eigenen Haustür zu kehren. Die Vereinsspitze sollte sich außerdem vorsehen, dass ihr das Heft nicht von Außenstehenden aus der Hand genommen wird. Die fleißigen Fädenzieher im Hintergrund sollten stets bedenken, dass mit dem Namen Concordia zwar meist der Spitzensport in Verbindung gebracht wird, dass das Fundament des Vereins aber der Breitensport ist. Entscheidungen für die Zukunft müssen im Präsidium, nicht an diesem vorbei gefällt werden.

@t.stephan@lvz.de

Leipziger Volkszeitung, LOKALES, Delitzsch-Eilenburg, 15. Februar 2007, Seite 17


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